Was hat das bloß alles mit mir zu tun?

Das ist natürlich eine komische Frage, weil alles, was ich erlebe, hat ja etwas mit mir zu tun… auch DAS hier in diesem schrägen Haus mit diesen schrägen Menschen! Ich mag ja Schräges gerne, solange es nicht zu anstrengend wird und das hier ist schon manchmal an der Kippe! Ab und zu möchte ich einfach nur weg, meine Ruhe haben und dann – ein paar Stunden später – ist auch hier die Welt für mich wieder in Ordnung. Dieses Haus ist so eine Mischung aus Villa Kunterbunt und Drachenhausen und Drachen – auch wenn sie letztlich gutartig sind – sind nun mal anstrengend! Sie wühlen auf, sie fuhrwerken ständig herum, völlig ungeniert gehen sie über deine Grenzen, sind völlig unberechenbar, aufgrund ihrer unbändigen vitalen Kraft ist ständig action angesagt! Es wird dauernd etwas aufgebaut, abgebaut, umgestellt, umgeräumt – für mein Gefühl vieles mit viel zu viel Aufwand – Hauptsache, es wird etwas getan, gewerkt! Schützende Einhausungen für Kohl und Mangold in den Hochbeeten werden mehrmals wieder zerstört und neu gebaut/verbessert; Laufstege aus Paletten, mit Teppich drauf werden gebaut auf den Verbindungswegen im Garten, damit man auf den Wegen im Winter nicht ausrutscht; eine hölzerne Plattform (für Yoga im Freien) wird zunächst mal mit Hilfe einer ausgefeilten Konstruktion mit einer riesigen Plane vor Regen und Schnee geschützt, die aber schon beim ersten leichten Schneefall ihre Schwächen zeigt; also wird alles wieder abgebaut und eine neue Konstruktion improvisiert – 2 Tage Arbeit in kaltem, windigem Novemberwetter (an einem der beiden Tage war ich Gott sei Dank in Wien!); ein Holzboden, bei dem ein paar Latten etwas nachgeben, wird in einer langen Nachtaktion in einem Teilbereich mit Holzplatten verstärkt; große Aufräum- und Ausmist-Aktionen mit mehreren Helfern im riesigen Schuppen, und dann wird gleich wieder alles Mögliche angeschafft und eben dort gelagert…

Während also alles Mögliche aufgebaur wird, geht gleichzeitig immer wieder alles Mögliche kaputt – Klospülungen, Gefriertruhen, zwei Tage lang gehen ständig die Sicherungen, Türklinken und Duschhkaterungen fallen zu Boden usw. usw…

Eine interessante Beobachtung dabei ist, daß dieses viele Tun und Werken ganz gut vor dem Spätherbst-Blues schützt – vor allem hier im Waldviertel, wo es ja sonst nicht viel Abwechslung gibt! Die Morgenspaziergänge im Wald mit dem Hündchen sind immer schön, überhaupt mag ich die Natur hier sehr, aber sonst gibt es hier nicht wirklich viel Interessantes und Anregendes (außer den Menschen) – da müßte ich schon nach Wien fahren! Ausstellungen, Museen, schöne Cafes, buntes street-life…

Ich hab mir ja vorgestellt, daß ich hier wunderbar Zeit und Muße haben werde, um zu schreiben, ein Buchprojekt zu beginnen, zu weben oder sonstwie kreativ zu sein, aber in einem Haus, in dem meistens derart viel action ist, finde ich das gar nicht so einfach. Manchmal vermisse ich meine Lieblingscafes, wo ich so gut schreiben kann – seit meiner Jugend war das für mich schön und wichtig: ins Kaffeehaus zu gehen und zu schreiben oder zu lesen. Es gibt hier zwar im nahen Städtchen ein Cafe, aber anregend finde ich das nicht, nur ab und zu eine kleine Abwechslung…

Nun ja… so ist es jetzt eben und ich darf wohl einfach lernen, mal ganz anders zu leben, alle Widerstände aufzugeben, hier mitzuleben, mich einzubringen auf meine Art, mich auch wieder rauszunehmen, die Menschen und die Umstände so zu nehmen, wie sie eben sind, mich möglichst nicht stressen zu lassen, indem ich meinem Rhythmus treu bleibe (was nicht immer gelingt), mich in Zustände und Umstände, die für mich verwirrend sind, hinein zu entspannen und immer wieder zu staunen, daß das Leben mich ausgerechnet hierher geführt hat!

Und was das alles mit mir zu tun hat!? Ganz sicher sind wir alle Spiegel füreinander und diese wilde, vitale Ungeniertheit, die ich täglich vor Augen habe und zu spüren bekomme, will wohl auch in mir mehr Leben und Ausdruck bekommen! Vielleicht – oder wahrscheinlich – ist es die erwachende Lilith-Energie, die heftig an mir und in mir rüttelt!

Eines ist sicher: dieser Abschnitt meines Lebens ist wirklich schräg und wenn ich später mal drauf zurückblicke, werde ich diese Zeit nicht missen wollen, sondern herzlich drüber lachen und staunen!

Ein Bild von Gertie Fröhlich – vor einigen Tagen im MAK in Wien gesehen! Es stimmt mich fröhlich!