Archiv des Monats: Mai 2026

Was ist los mit meiner Kreativität?

Das hab ich mich schon öfters gefragt: Was ist los? Wieso schreib ich nicht mehr so oft in meinem Blog? Warum male ich nicht mehr? Warum mach ich keine Collagen mehr? Was ist mit dem Weben? Dem Schmuckmachen?

Ist meine Kreativität versiegt? Wo ist sie? Ist sie abgetaucht? Davongeflogen mit dem Wind?Eingeschlafen? War ihr langweilig?

Manchmal, wenn ich nicht so gut drauf bin, frage ich mich das – mit leisem Bedauern, mit einer zarten Scham, mit einem kleinen Vorwurf an mich selber: „Wieso laß ich die Künstlerin in mir nicht viel mehr leben?“

Und dann, wenn meine Energien wieder weiter oben sind, wird mir klar, verstehe ich: dieser ganze alte Bauernhof, den ich vor eineinhalb Jahren gekauft hab, das ist mein kreatives Projekt! Sooo viel will da noch gestaltet, geschöpft und geschaffen werden!

Es ist halt ein so großes Projekt, daß ich mich manchmal überfordert fühle. Dann sitz ich herum und weiß nicht, was ich tun soll/kann/möchte. Eine Art Antriebslosigkeit, die mich zeitebens manchmal überkommt, mit der ich mir zunächst immer noch schwer tu – ein altbekanntes Gefühl, ich müßte mich wie der Baron Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen.

Was aber letztlich meist am besten hilft: mich ganz einlassen auf diesen „Sumpf“, ihn noch übertreiben, am Boden herumliegen und jammern – bis es mir zu fad wird und ich lachen muß… wie schön, wenn die Wende so passiert – ohne Kampf und Krampf!

Also ja, ich fühl mich manchmal überfordert und zu alleine mit dem alten Hof… und das kann den Schwung und die Kreativität doch ziemlich dämpfen!

Aber: es ist ja schon so viel passiert! Neue Räume einrichten ist etwas sehr Kreatives und ich freu mich sehr, daß ich sagen kann: mir gefallen meine Räume, ich fühl mich wohl und es ist toll, wie viele meiner mir lieben Möbel und Objekte, die ich schon in meiner Salzburger Wohnung hatte, hier am Hof ihren neuen Platz gefunden haben; dabei sind völlig neue Verbindungen und Zuordnungen entstanden!

Und es sind einige „Altäre“ entstanden – auch kreative Gestaltungen.

Und es geht ja weiter! Draussen im Garten und in den Innenhöfen gibt es viele Orte, die wahrgenommen, erfahren und gestaltet werden wollen.

Gestern und heute hab ich viel gemacht in der Nußbaum- und Fichten- und Hollerbusch-Gegend: ich hab gerodet – den Brennesseln freundlich erkärt, daß ich sie sehr schätze, aber daß ich sie bitte nicht überall haben möchte, hab Holzhaufen sortiert und umgelagert und – vor allem: ich hab einen Platz für einen Komposthaufen gefunden und ihn eingefriedet; mit einer alten kleinen Brettertür, die schon immer da an der Wand gelehnt hat und mit bereits zusammengenagelten Brettern, die ich gleich daneben auf dem Bretterstapel finde! Alles in der genau richtigen Größe – als hätten die Dinge nur drauf gewartet, nun so wieder Verwendung zu finden.

Dieses Werken macht mir großen Spaß und große Freude – ich vergesse auf die Zeit, auf´s Essen, mag gar nicht aufhören und rein ins Haus gehen.

Da war gestern in der Früh der Wunsch, einen Komposthaufen anzulegen, aber ohne Vorstellung, wo und wie. Und dann, beim Werken draussen, ist er einfach entstanden, ohne groß drüber nachzudenken – eins aus dem anderen, mit Hilfe der naheliegenden Dinge… alles war da, griffbereit sozusagen.

Dies war so ein schönes kleines Beispiel dafür, daß es einfach um´s Anfangen geht: Handy weg, Garteng´wand an und raus an die frische Luft, ein paar Werkzeuge und im Tun kommen die Impulse – einer nach dem anderen, Schritt für Schritt… und auf einmal ist das, was ich mir gewünscht hab (in dem Fall einen Komposthaufen anlegen) fertig und ich freue mich sehr! Ich iiebe es, wenn die Dinge so leicht passieren – fast wie von selbst, gut im Fluß!

Und das war kreativ, da ist etwas auf spielerische Weise entstanden!

Mir wird wiedermal bewußt, daß ich den Begriff Kreativität viel weiter fassen darf – er beschränkt sich nicht auf Gedichte und Blogartikel schreiben, auf´s Weben und Schmuckmachen, auf´s Malen und Collagen gestalten!

Jetzt sind offenbar größere „kreative Projekte“ dran und um diese umzusetzen, braucht es mich am Hof, braucht es mein AnwesendSein, mein Mich-Kümmern um den Hof und um meine ursprünglichen Visionen, was hier alles werden kann.

Immer wieder mal finde ich mich in meinem alten „Fahrwasser“: ich möchte wie früher unterwegs sein, im Camper meine Runden drehen und dabei liebe Freunde besuchen, Neues kennenlernen… manchmal ist es ja immer noch stimmig und schön, aber manchmal ist es eigentlich ein Energie-zerstreuen – wenn ich so flüchtig unterwegs bin, wenn´s eigentlich besser wäre, mich meinem neuen Zuhause zu widmen, mich darauf wirklich einzulassen, auf mehr DaheimSein, auf mehr Seßhaftigkeit.

Heute war ich nur daheim (das kommt nicht oft vor!)… es hat mich befriedigt und erfüllt; und es hat Freude gemacht!

LOOSEN THE GRIP

Loosen the grip – den Griff lockern…

Als ich noch ziemlich jung war, bin ich in einer Phase großer Verwirrung und Verzweiflung einige Male zu einer richtig guten Psychotherapeutin gegangen (zu der inzwischen bekannten und höchst anerkannten Christine Bauer-Jelinek).

Ich war damals sehr unter Druck durch ganz viele innere „ich muß“: „ich muß mich jetzt endlich entscheiden“, „ich muß dies oder jenes zu Ende bringen, abschließen“, “ich muß das schaffen“… oder auch: „ich darf keine Fehler machen“ usw…. und so war meine Welt damals ziemlich eng und angespannt.

In einer der Sitzungen hat Frau Bauer-Jelinek zu dieser Theamatik eine sehr einfache und sehr wirkungsvolle Übung mit mir gemacht: sie hat mich gebeten, an eine meiner „ich muß“-Geschichten zu denken und dabei beide Hände zur Faust zu schließen, richtig fest…. und dann sachte den Griff zu lockern und die Hände langsam zu öffnen… „was macht das mit dir“? wollte sie wissen, „wie fühlt sich das im Körper an? wie geht es deiner Geschichte? Hat sich an dem „ich muß“ etwas geändert?“

Oh ja! Etwas in mir hat sich ent-spannt – auf allen Ebenen – mental, körperlich, emotional.

Alles andere, was wir in den paar Sitzungen gemacht haben, hab ich vergessen (ist ja auch etwa 50 Jahre her!), doch diese Übung hab ich mir gemerkt – sie hat mir sehr geholfen, mich nicht selber so unter Druck zu setzen, nachzulassen, milder mit mir selbst zu werden…

Nun, wo ich mich viel mit dem bewußten Atmen beschäftige, würde ich die Übung noch mit dem Atem anreichern, würde sagen: … die Hände langsam öffnen und dabei ausatmen — mit einem Seufzer der Erleichterung! Ahhhh….

Loosen the grip!

Ich frage mich: Wo mache ich mir noch Druck? Woran halte ich noch fest?

An gewissen Gewohnheiten; an meinem Selbst-Bild, an einem Idealbild von mir… an einer Art Perfektionismus

Da darf die Sanftmut einziehen, die Milde, die Güte („ich darf auch Fehler machen!“)… und auch der Schalk, der Humor, Leichtgkeit und – – ganz essentiell — die LIEBE!

Also den festen Zugriff um alte fixe Gewohnheiten und Rituale lockern (sonst kommt womöglich der Systemsprenger Uranus heruntergeblitzt!)

Lockern…. ahhh… nicht nur die Hände, der ganze Körper ent-spannt sich, der Atem fließt ruhiger, ziemlich regelmäßig, trägt mich in die Stille, in ein stilles Sein, in eine neue Offenheit, in eine Empfänglichkeit für neue frische Impulse, Einfälle, Wünsche, Ideen…

Meine innere Welt lockert sich mehr und mehr, die innere Landschaft weitet sich, atmet freier, lädt ein – einfach zu SEIN, einfach ICH SELBST zu SEIN!

Den festen Griff um die alten Gebote lockern: „bleib im Rahmen“, „verhalte dich eher unauffällig“, „niemand soll denken, du bist total daneben, verrückt…“

Einfach ICH SELBST SEIN, auch wenn´s nicht der Norm entspricht, nicht üblich ist, vielleicht nicht gesellschaftlich anerkannt ist, vielleicht für manche Menschen ver-rückt wirkt…

Dieser „grip“, dieser feste Griff – eine Art Selbst-Beherrschung – macht sehr oft auch die Kehle eng, die Stimme klein und fremd; behindert den freien Fluß des Atems… und oft den ganzen Körper – zum Beispiel beim freien Tanzen… also den freien, scham-losen (ohne Scham!) Selbst-Ausdruck!

Immer wieder diese innere Bewegung von der Anspannung (etwas festhalten, auch zurückhalten) in die Ent-spannung – die „Faust öffnen“

Anspannung: Müssen, unbedingt etwas Wollen, Druck

Entspannung: „ich muß gar nix“; in die Ruhe kommen, in den ruhevollen Fluß des Atems!

Eine geschlossene Faust kann nichts nehmen, nichts aufnehmen, nichts annehmen;

In die offene Hand kann alles Mögliche fallen – schöne kleine und große Überraschungen, wundervolle Geschenke! Oh ja, ich weiß, ich hab´s erfahren dürfen, immer wieder… Gott sei DANK!