Seltsam, daß mein Bedürfnis, meine Lust zu schreiben nachgelassen hat, seit ich wieder sesshaft geworden bin… am stärksten war dieses Bedürfnis während der eineinhalb nomadischen Jahre, in denen ich meistens im Camper gelebt hab… vielleicht ist das so, weil meine Kreativität seither andere Ausdrucksmöglichkeiten findet, nämlich meinen neuen Wohn- und Lebensraum zu gestalten… und damit bin ich ganz schön beschäftigt!
Es war ein großer Augenblick Anfang August diesen Jahres, als die Bau- und Renovierungsarbeiten innen im Wohnbereich abgeschlossen waren: alles neu, alles leer und klar, wie die weiße Leinwand für einen Maler! Ich konnte gar nicht gleich anfangen, diese Leere zu füllen, wollte sie erstmals auf mich wirken lassen (und außerdem wollte ich im August noch den endlich eingekehrten Sommer genießen) und dann, im Herbst hab ich langsam begonnen, erste Möbelstücke aus dem Heustadl (wo seit einem dreiviertel Jahre alles gelagert war) rüber in die Wohnräume zu bringen. Es hat immer wieder gedauert, bis ich intuitiv wußte, wo etwas hingehört, aber dann war´s ganz klar. Jedes Stück hat seinen Auftritt bekommen wie ein Solist, hat mich seine Wirkung auf den Raum erfahren lassen und es war erstaunlich, wie viele Dinge dadurch eine ganz neue Wertigkeit und Schönheit bekommen haben; fast so, als würde ich sie erst jetzt richtig sehen und wahrnehmen – jetzt in diesen völlig neuen Zusammenhängen und befreit von altem Ballast!
Immer wieder hab ich gedacht: Wie innen, so außen! Was passiert da eigentlich synchron IN mir? Nun, was ich wahrnehme: eine Verschiebung der Wertigkeiten, ein völlig neues Leben in völlig neuen Zusammenhängen, vieles, was mir immer so wichtig war, tritt in den Hintergrund (zum Beispiel die allzeit freie Beweglichkeit im Außen, also die äußere Freiheit); statt dessen ist ein starkes commitment führend geworden, also die Hingabe und Ausrichtung auf ein großes Projekt und vieles ist entsorgt worden: Dinge, die nicht mehr wirklich wichtig sind und deren Anblick mir keine Freude mehr bereitet (ich mag nur mehr von Dingen umgeben sein, die mein Herz erfreuen! Und das gilt auch für Menschen!).
Nun ja, und so ist nach und nach ein mir sehr angenehmer, neuer Wohnraum entstanden, in dem viele meiner alten Möbel und Dinge einen neuen Platz gefunden haben und nun in größerer Klarheit und Einfachheit Wirkung entfalten; viele schöne Dinge hab ich entweder von lieben Freunden geschenkt bekommen (Dinge, die sie nicht mehr brauchen) oder sehr günstig auf Flohmärkten, in willhaben und vor allem im sympathischen Altwarenladen von Peter in Gars am Kamp erworben – Dinge, die ganz genau an diese oder jene Stelle passen – ganz erstaunlich und wunderbar!
Na ja, und dann mein Bedürfnis, an allen möglichen Stellen „Altäre“ zu gestalten (ich hab ja schon mal ausführlich in einem Blog-Beitrag darüber geschrieben); diese kleinene Gestaltungen entstehen einfach intuitiv, wollen ausdrücken und mich erinnern an das, was mir wirklich wichtig ist (an den Weg des Herzens, an die Liebe zu den Ahnen, ans wache GewahrSein und ans bewußte Atmen, an die kindliche Verspieltheit und den Humor, an die innere Stille, an die Qualität, die der jeweiligen Jahreszeit innewohnt, an die Verbindung zu Mutter Erde und an die Dankbarkeit für ihre wundervollen Geschenke, zu den Naturgeistern usw…

Weg des Herzens



Erntedank

sinnliches Nichts-Tun





Dank an all das gute Holz zum Feuermachen
Es ist also gelungen, mir vor dem Winter noch ein Nest zu schaffen, in dem ich mich wohlfühle – wie heißen die Zeilen in diesem schönen Rilke-Gedicht….? …wer sich im Spätherbst noch keine heimelige Wohnstatt geschaffen hat, der wird es nicht mehr tun… so ähnlich, sinngemäß…)
Sehr zu diesem Wohlgefühl trägt der Küchenherd bei, den ich fast jeden Abend einheize (ganz wichtig bei diesem feuchkalten Dauernebel hier im Weinviertel!); ich hab das Gefühl, daß diese Holzfeuerwärme richtig heilsam ist für mich, ich spür sie bis in die Knochen hinein, wenn ich auf meinem türkischen Hockerchen (das mich schon über 50 Jahre lang begleitet!) vor dem Herd sitze, dem Lodern des Feuers lausche und mich bis tief in die Gewebe hinein wärmen lasse!
Ich liebe es, Feuer zu machen und es zu hüten, in die Glut zu schauen und alles mögliche darin zu sehen (manchmal wie in einem Orakel!) – wunderbar!
Oben auf dem Herd köchelt Wasser in einem großen Topf, das – angereichert durch die Energie des Feuers – mir ebensfalls heilsam und wunderbar weich erscheint! Das Wasser liebt es und mein Körper liebt es – ich hab das Gefühl. daß er es besonders gut und gerne aufnehmen kann!
So erlebe ich diese Adventzeit trotz des ständigen dicken feuchten Nebels als gut durchwärmt und fühle mich gut aufgehoben; trotz des immer irrer werdenden Weltgeschehens kann ich manchmal, immer wieder Gott sei Dank die darunter liegende Stille, die der Dunklen Zeit innewohnende Mystik und Heiligkeit erfühlen.

Eine meiner „Eselsbrücken“, um wieder in die Präsenz zu kommen, wenn ich im Gedankenkarusell unterwegs bin, ist: I… A… Ahhh! Innehalten, Atmen, Ahhh (Ahhh aus dem Herzen); oder – die längere Version: innehalten, atmen, mich gut im Körper präsent fühlen, mich gut himmeln und gut erden, im Herzen verankern, im Kiefer gut entspannen – ahhh, jetzt und hier!
Die Ausbildung zur Atemlehrerin ist eine großartige Inspiration, immer öfter innezuhalten, bewußt zu atmen und somit präsent zu sein; sie gibt meinem jahrzehntelangen Credo: „Atem, Stimme und Bewegung – Schlüssel zur Lebendigkeit“ eine neue Dimension: „Atem, Stimme und Bewegung -Schlüssel zur Heilung“.
Danke, danke, danke!
