Loosen the grip – den Griff lockern…
Als ich noch ziemlich jung war, bin ich in einer Phase großer Verwirrung und Verzweiflung einige Male zu einer richtig guten Psychotherapeutin gegangen (zu der inzwischen bekannten und höchst anerkannten Christine Bauer-Jelinek).
Ich war damals sehr unter Druck durch ganz viele innere „ich muß“: „ich muß mich jetzt endlich entscheiden“, „ich muß dies oder jenes zu Ende bringen, abschließen“, “ich muß das schaffen“… oder auch: „ich darf keine Fehler machen“ usw…. und so war meine Welt damals ziemlich eng und angespannt.
In einer der Sitzungen hat Frau Bauer-Jelinek zu dieser Theamatik eine sehr einfache und sehr wirkungsvolle Übung mit mir gemacht: sie hat mich gebeten, an eine meiner „ich muß“-Geschichten zu denken und dabei beide Hände zur Faust zu schließen, richtig fest…. und dann sachte den Griff zu lockern und die Hände langsam zu öffnen… „was macht das mit dir“? wollte sie wissen, „wie fühlt sich das im Körper an? wie geht es deiner Geschichte? Hat sich an dem „ich muß“ etwas geändert?“
Oh ja! Etwas in mir hat sich ent-spannt – auf allen Ebenen – mental, körperlich, emotional.
Alles andere, was wir in den paar Sitzungen gemacht haben, hab ich vergessen (ist ja auch etwa 50 Jahre her!), doch diese Übung hab ich mir gemerkt – sie hat mir sehr geholfen, mich nicht selber so unter Druck zu setzen, nachzulassen, milder mit mir selbst zu werden…
Nun, wo ich mich viel mit dem bewußten Atmen beschäftige, würde ich die Übung noch mit dem Atem anreichern, würde sagen: … die Hände langsam öffnen und dabei ausatmen — mit einem Seufzer der Erleichterung! Ahhhh….
Loosen the grip!
Ich frage mich: Wo mache ich mir noch Druck? Woran halte ich noch fest?
An gewissen Gewohnheiten; an meinem Selbst-Bild, an einem Idealbild von mir… an einer Art Perfektionismus
Da darf die Sanftmut einziehen, die Milde, die Güte („ich darf auch Fehler machen!“)… und auch der Schalk, der Humor, Leichtgkeit und – – ganz essentiell — die LIEBE!
Also den festen Zugriff um alte fixe Gewohnheiten und Rituale lockern (sonst kommt womöglich der Systemsprenger Uranus heruntergeblitzt!)
Lockern…. ahhh… nicht nur die Hände, der ganze Körper ent-spannt sich, der Atem fließt ruhiger, ziemlich regelmäßig, trägt mich in die Stille, in ein stilles Sein, in eine neue Offenheit, in eine Empfänglichkeit für neue frische Impulse, Einfälle, Wünsche, Ideen…
Meine innere Welt lockert sich mehr und mehr, die innere Landschaft weitet sich, atmet freier, lädt ein – einfach zu SEIN, einfach ICH SELBST zu SEIN!
Den festen Griff um die alten Gebote lockern: „bleib im Rahmen“, „verhalte dich eher unauffällig“, „niemand soll denken, du bist total daneben, verrückt…“
Einfach ICH SELBST SEIN, auch wenn´s nicht der Norm entspricht, nicht üblich ist, vielleicht nicht gesellschaftlich anerkannt ist, vielleicht für manche Menschen ver-rückt wirkt…
Dieser „grip“, dieser feste Griff – eine Art Selbst-Beherrschung – macht sehr oft auch die Kehle eng, die Stimme klein und fremd; behindert den freien Fluß des Atems… und oft den ganzen Körper – zum Beispiel beim freien Tanzen… also den freien, scham-losen (ohne Scham!) Selbst-Ausdruck!
Immer wieder diese innere Bewegung von der Anspannung (etwas festhalten, auch zurückhalten) in die Ent-spannung – die „Faust öffnen“
Anspannung: Müssen, unbedingt etwas Wollen, Druck
Entspannung: „ich muß gar nix“; in die Ruhe kommen, in den ruhevollen Fluß des Atems!
Eine geschlossene Faust kann nichts nehmen, nichts aufnehmen, nichts annehmen;
In die offene Hand kann alles Mögliche fallen – schöne kleine und große Überraschungen, wundervolle Geschenke! Oh ja, ich weiß, ich hab´s erfahren dürfen, immer wieder… Gott sei DANK!
