Ein buntes Gewebe

Zumindest vordergründig scheint mir der Sommer wieder wie ein bunter Teppich, gewebt aus all dem, was sich wie von selbst ergibt, aus den Impulsen, denen ich folge…die „Ausritte“ mit meinem Pössl (Wohnmobil) in alle möglichen Richtungen, an wunderschöne Orte, zu guten Freundinnen und Freunden…

Weben! Vor einigen Jahren habe ich das Weben entdeckt, buchstäblich, an diversen Webgeräten und ich liebe es! Die schönen Wollen und Garne, die vielen Möglichkeiten, das Meditative, das Metaphorische: ein Stück Stoff weben, den Lebensteppich weben… die (senkrechten) Kettfäden, die das symbolisieren, was uns vorgegeben ist und der Schussfaden (der auf dem Schiffchen aufgewickelt ist), mit dem wir gestalten; und es gefällt mir sehr, daß das Weben eine uralte Frauenkunst ist… spinnen und weben…

Vorige Woche habe ich wieder einen Webkurs gemacht – in Haslach an der Mühl, ein tolles Zentrum für Textilkunst! „Weben mit dem mobilen Webgerät“ hieß der Kurs…

diverse Webstücke von KursteilnehmerInnen
eigene Stücke
noch ein eigenes, mit Metallfäden…

Ganz unerwartet hat sich das Thema Weben gestern in einem Konzert der Salzburger Festspiele fortgesetzt und zwar in Morton Feldman´s „Crippled Symmetry“. Im Programmheft lese ich über seine Beschäftigung mit orientalischen Teppichen: ihn faszinieren die unzähligen Varianten und Schattierungen der Farben und die symmetrischen Muster, die aber nie ganz gleich ausfallen, sondern vielerlei Abweichungen zeigen… Muster, die sich im Verlauf ihrer ununterbrochenen Wiederholung minimal verändern… genau dies setzt er in Musik um! Gleichförmig und doch immer wieder etwas anders webt diese Musik leise dahin – mich macht sie sehr wach und gleichzeitig tief entspannt, ein faszinierendes Erlebnis! Sehr berührt hat mich die stille Gesammeltheit der drei wunderbaren Musiker.

Es geht noch weiter: heute beim Autofahren hab ich wie beiläufig Ö1 aufgedreht und da wird über Musik gesprochen, über bestimmte Stücke und Verbindungen, über sogenannte Neue Musik… auf sehr anregende, höchst interessante Weise! Markus Hinterhäuser im „Klassik-Treffpunkt“… und dann spricht er über Morton Feldman, über genau das Stück „Crippled Symmetry“, über das ich gestern geschrieben habe (oben!); er spricht über seine Erfahrungen beim Spielen dieses zweistündigen Stückes: die hohe Konzentration die es erfordert, ein ständiges Zählen, weil jeder Takt anders ist (!) und gleichzeitig ist es passiv zu spielen, still und entspannt… ich finde das bewundernswert, diese Fähigkeit! Es ist wohl das, was mich ergriffen hat beim Zuhören und was ich gespürt habe: sehr wach und achtsam zu lauschen und dabei sehr entspannt zu sein… tiefenentspannt! Ich hatte vorher ziemlich starke Rückenschmerzen und während des Konzerts hat sich alles wunderbar entspannt!

hier ein Teil des Stückes