Archiv des Autors: Hanna Moldan

Immer wieder das Thema Verbundenheit

diesmal in Form von eigenen, kleinen Collagen….

könnte auch eine Art Adventkranz sein! ?

Und weil es gut dazu passt: dazwischen hinein ein Text von Albert Einstein:

Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen – ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Wir erfahren uns, unsere Gedanken und Gefühle als etwas vom Rest getrenntes – einer Art optischer Täuschung des Bewußtseins. Diese Täuschung ist für uns eine Art Gefängnis, die uns auf unsere persönlichen Wünsche, und auf die Gefühle für die wenigen Personen reduziert, die uns am nächsten sind. Unser Ziel muß es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Kreis unserer Nächstenliebe so erweitern, daß er alle lebenden Wesen und das Ganze der Natur in ihrer Schönheit einschließt. Der wahre Wert eines menschlichen Wesens wird bezeichnet durch das Maß und den Sinn, in dem es Befreiung vom Selbst erlangt hat. Wir werden eine grundlegend neue Art des Denkens notwendig haben, wenn die Menschheit überleben soll.

Gedicht von Hilde Domin

Vor kurzem hat mir eine wunderbare Freundin dieses schöne Gedicht geschickt:

"Wie wenig nütze ich bin,
ich hebe den Finger und hinterlasse
nicht den kleinsten Strich
in der Luft.

Die Zeit verwischt mein Gesicht,
sie hat schon begonnen.
Hinter meinen Schritten im Staub
wäscht der Regen die Straße blank
wie eine Hausfrau.

Ich war hier.
Ich gehe vorüber
ohne Spur.
Die Ulmen am Weg
winken mir zu wie ich komme,
grün blau goldener Gruß,
und vergessen mich,
eh ich vorbei bin.

Ich gehe vorüber -
aber ich lasse vielleicht
den kleinen Ton meiner Stimme,
mein Lachen und meine Tränen
und auch den Gruß der Bäume im Abend
auf einem Stückchen Papier.

Und im Vorbeigehn,
ganz absichtslos,
zünde ich die ein oder andere
Laterne an
in den Herzen am Wegrand."

Gedicht von Paul Celan: Corona

Vor einigen Tagen, am 26.11.2020, war in Ö1 eine 5-minütige Sendung über Paul Celan und sein Gedicht CORONA. Im Gedicht geht es v.a. um seine wechselvolle Beziehung zu Ingeborg Bachmann; es ist kein leichtes Gedicht, aber – auch wenn es mir schwer verständlich ist, finde ich´s auf eine magische Weise schön.

CORONA

Aus der Hand frisst der Herbst mir sein Blatt:

wir sind Freunde.

Wir schälen die Zeit aus den Nüssen

und lehren sie gehen:

die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,

im Traum wird geschlafen,

der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab

zum Geschlecht der Geliebten:

wir sehen uns an,

wir sagen uns Dunkles,

wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,

wir schlafen wie Wein in den Muscheln,

wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster,

sie sehen uns zu von der Straße:

Es ist Zeit, daß man weiß!

Es ist Zeit, daß der Stein

sich zu blühen bequemt,

daß der Unrast ein Herz schlägt.

Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.

…………….

dieses Gedicht (von 1948) stammt aus dem 1952 veröffentlichten Gedichtband

„Mohn und Gedächtnis“.

dies ist der Beitext zu dieser interessanten kleinen Sendung in Ö1

nochmal herausgehoben: „…und so ist „Corona“ ein Liebes- und ein Totenkranz; und auch eine große Fermate: ein öffentliches Innehalten unter dem großen Zeitdruck….“ und „Fermate: ein Haltepunkt am Ende einer musikalischen Phrase…“ (siehe oben im Text).

Ich finde das faszinierend: sind wir nicht am Ende einer langen „musikalischen Phrase“, die allerdings immer mehr kakaphone Elemente enthält? …

„Es ist Zeit, daß es Zeit wird. Es ist Zeit.“

——–

Wenn wir schon beim Thema sind – gleich noch etwas, das mir dazu im Internet untergekommen ist: in Petris Fremdwörterbuch von 1889, findet sich zum Stichwort Corona Folgendes:

Krone, Kranz, Tonsur, Mannschaft, Sippschaft…. und – das ist interessant und passt zum obigen Gedicht von Paul Celan (zu den Auf- und Abschwüngen in seiner Liebe zu Ingeborg Bachmann) – es findet sich ein Hinweis auf Ariadne, die von Perseus verlassen wurde und die ihm mit ihrem Wollknäuel zur Flucht aus dem Labyrith verhalf. Der Gott Dionysos verliebte sich in Ariadne und versetzte sie nach ihrem Tod in den Nachthimmel, ins Sternbild der Corona.

Eine schöne Seite im Internet!

Es gibt eine wirklich schöne Seite im Internet, die täglich nur positive, inspirierende Beiträge bringt; es ist mir zur lieben Gewohnheit geworden, fast jeden Tag mal reinzuschauen und drin zu lesen… drum möchte ich diesen Link hier teilen:

www.newslichter.de

Noch mehr zum Thema Zeitenwende…

Es ist zwar schon soviel darüber gesprochen und geschrieben worden, von allen möglichen Seiten und aus verschiedenen Zeiten, aber ich hab Lust und den Impuls, drei Botschaften hier kurz zusammenzufassen.

Die eine kommt von White Eagle (Hopi), die zweite kommt von einem jungen Sonnenpriester der Inka (gehört und gesehen in dem sehr schönen Film Pachakutec) und die dritte kommt von Pierre Teilhard de Chardin.

Zur Botschaft von White Eagle vom März 2020 : ich finde sie so schön und wahr (spricht mir aus dem Herzen, aus der Seele!), daß ich die mir wichtigsten Abschnitte hier – (im Original)) wiedergeben möchte:

„This moment, which humanity is going through, can be seen as a portal and as a hole. The decision to fall into the hole or to go through the portal is up to you. If people consume the news all the time, get pessimistic…. they will fall into the hole. But if you take this opportunity to look at yourself, re-think life and death, take care of yourself and others, you will cross the portal……

You were prepared to go through this crisis. Take your toolbox and use all the tools at your disposal. Learn about resistance with indigenous and Afriacan people: we have always been and continue to be exterminated. But we still haven’t stopped singing, dancing, lighting fires and having fun….

IT IS THROUGH JOY, THAT ONE RESISTS. Also when the storm passes, you will be very important in the reconstruction of this new world. You need to be well and strong. And for that, there is no other way than to maintain a beautiful, happy and bright vibration. This is a resistance strategy! …

Ask yourself: What world do you want to build for yourself? For now, this is what you can do: serenity in the storm. Calm down and pray. … Establish a routine to meet the sacred every day. Good things emanate; what you emanate now is the most important thing.

AND SING, DANCE, RESIST THROUGH ART, JOY, FAITH AND LOVE.“

Und es ist wichtig, sich den auftauchenden Ängsten zu stellen, sich um sie zu kümmern – dann können sie sich wandeln und erlöst werden… Daniele Ganser benennt recht stimmig drei „Haupt-ängste“: die Angst vor Ansteckung… Tod; die Angst vor Armut und die Angst vor Bevormundung und Kontrolle… „the opportunity to look at yourself…. to care for yourself…. “ siehe oben!)

………….

Nun zu den alten Überlieferungen der Inka: diese sagen für unsere jetzige Zeit einen großen Wandel voraus – das Pachakutec. Der gleichnamige schöne Film begleitet einen jungen Sonnenpriester der Inka im Jahr 2007 (als er bereits stark die Energie des beginnenden Wandels spürte) auf seiner Pilgerreise zu heiligen Orten in verschiedenen Ländern; sein Ziel ist es, Erkenntnisse für diese Zeitenwende zu sammeln.

Er sagt u.a.: „Auf dem Weg in die Neue Zeit brauchen wir die pulsierende Energie des Herzens, um wieder in unsere Mitte zu kommen.“

„Das Bewußtsein der Neuen Zeit ist eine alles-verbindende Liebe; ich vertraue darauf, daß wir alle dieses Bewußtsein erlangen können.“

„Der Wandel liegt in unserer Hand. Wir sind die Wendezeit. Wir sind das Pachakutec.

…………….

Jetzt noch zu Teilhard de Chardin (1881bis 1955): Ich bin erst vor kurzem wieder mal in dem schönen Buch: „Die Macht der Würde“ von Amma Gamma auf ihn getroffen. Sie schreibt über seine Zukunftsvisionen und seine Thesen (eine Mischung aus wissenschaftlichen wie mystischen Erkenntnissen) zur Evolution des Bewußtseins. Ich zitiere aus ihrem Buch: „Pierre Teilhard de Chardin unterscheidet vier große Phasen der Evolution des Kosmos vom Urknall bis zur Entstehung der Erde und ihrer Lebewesen………

…. die Entstehung und Entwicklung des Menschen tritt nach ihm heute in eine neue evolutive Phase ein: die Noogenese. Sie steht für die Entstehung und die Entwicklung einer spezifischen Geistsphäre, sozusagen als Voraussetzung für einen neuen Bewußtseinsschritt, indem Menschen sich ganz selbstverständlich ungetrennt von der Menschheit, der Erde und dem Kosmos erfahren…… Da existiert weder ein getrenntes Selbst noch ein abgekapseltes Ich. Eine grenzenlose Ergriffenheit schafft sich Raum, wenn das Universum sich im Menschen als Universum erkennt…..“ usw….

Noch ein paar schöne Zeilen von Teilhard de Chardin:

Eines Tages, nachdem wir die Winde, die Wellen, Ebbe und Flut und die Gravitäten gemeistert haben, werden wir uns auch die Energien der Liebe nutzbar machen. Und dann, zum zweiten Mal in der Geschichte unseres Planeten, wird der Mensch das Feuer entdecken – das Feuer der Liebe.

eine kleine Collage von mir, zum Thema Verbundenheit

Und noch ein paar eigene Zeilen:

Ein blinkender Schwarm von Silberfischen

Ah! Hier bin ich!

Oder da?

Oder dort?

Ich?

Ich zerfällt

verstäubt sich in

zahllose Möglichkeiten

in unermessliches Blinken

und Leuchten.

(…ich bin…) der Schwarm

das Fischlein

und das Licht

das alles erhellt.

Altes Frauen-Wissen

Und weil ich grad so schön in Fahrt bin, hier gleich noch ein Gedicht, das ich vor vielen Jahren geschrieben hab – weil´s so schön dazu passt:

ALTES FRAUEN-WISSEN

Wissen um Spinnweben im Frühmorgen-Gras,

um ihren Verweis auf alte Geschichten…

Wissen um den nächsten Frühmorgen

in einer Neuen Welt.

Wissen um Durchgänge, Übergänge, Quergänge

um Buchten, Häfen

und um das tiefe Meer.

Wissen um die Er-Lösung alter Ge-Schichten

Wissen, wann etwas endlich genug ist.

Wissen um Schelme und Herzensdiebe

und wie frau hell über sie lacht;

Wissen um jede Dunkelheit

Wissen darüber, was uns heilt.

Wissen um magische Dinge

Wissen wie frau in Ehrfurcht schweigt.