Archiv für den Monat: April 2022

Ein Lieblingsbuch: Geflochtenes Süßgras

Gerade vorhin hab ich die letzten Seiten dieses wunderbaren Buches gelesen – mit leichter Wehmut, wie immer wenn ein Buch, das mich über längere Zeit begleitet und mich im Herzen berührt hat, zu Ende gelesen ist. Es hat mich erfreut, zum Lächeln gebracht und auch zum Weinen (gerade in der Covid-/Quarantäne-Zeit, wo ich sehr dünnhäutig war!). Tränen über den enormen Verlust von natürlichen, beseelten Lebensräumen (den sie zum Teil detailreich beschreibt) und Freude über die starken Bewegungen zur Erneuerung der Erde.

Die Autorin, Robin Wall Kimmerer, ist eine bemerkenswerte Frau: sie ist in der Tradition ihres Volkes – der Potawatomi Nation (ein amerikanischer Indianerstamm in den USA/Oklahoma) aufgewachsen und somit von Kind an vertraut mit den alten indigenen Weisheitslehren. Im Zentrum steht die Dankbarkeit für die Fülle an Geschenken, die Mutter Erde, das Leben uns gibt und im Gegenzug unsere Verantwortung, dafür etwas zurückzugeben: indem wir so gut wir können für die Erde sorgen. Und sie ist Wissenschaftlerin, Biologin – das macht sie und ihr Buch so interessant! Wie sie diese beiden so unterschiedlichen Arten des Wissens zusammenführt, ist sehr besonders und unglaublich spannend. Im Klappentext steht u.a.: „…. sie führt uns auf eine Reise, die ebenso mythisch wie wissenschaftlich, so heilig wie historisch, so klug wie weise ist.“

Es ist ein langsames Buch, es geht um die Weisheit der Pflanzen ( „… die Pflanzen waren lange vor uns hier auf dieser Erde, daher haben sie mehr Weisheit und Erfahrung als wir Menschen…“), um Forschungsprojekte, um die „ehrbare Ernte“, also um ein maßvolles Nehmen und um´s Zurückgeben, um die unersättliche Gier des Kapitalismus, um die Kraft der Erneuerung… Es ist insgesamt ein Buch, das Hoffnung macht, daß der Karren vielleicht doch nicht ganz verfahren ist – bezogen auf das Ausmaß der Zerstörung und Plünderung der Natur. Kurzum : ein Plädoyer für ein respektvolles, gedeihliches, uns erneuererndes Miteinander und dafür, von guten Einsichten auch ins Handeln zu kommen – „…selbst die Hände in die Erde zu stecken…“ (auch im überttragenen Sinn, was bei jedem Menschen natürlich anders aussehen wird).

Ich hab das Buch über Wochen gelesen (ein gebundenes Buch mit immerhin 460 Seiten!), immer am späteren Nachmittag während meiner Kaffee-Zeit (5 Uhr-Kaffeetscherl – mein geliebtes Ritual, immer mit einem guten Buch!). Und: es ist sehr schön geschrieben, vielerorts sehr poetisch!

Im Epilog schreibt die Autorin über eine traditionelle Giveaway-Feier ihres Stammes. Geschenke, die jeder mitbringt, werden auf einer Decke aufgehäuft und jeder darf sich nehmen, was er braucht – mit Augenmaß. Am meisten verschenkt derjenige, der einlädt und feiert, um seinen Wohlstand mit allen im Kreis zu teilen. Hier ein paar Sätze aus diesem Epilog, weil ich sie so schön finde und weil sie ihre Botschaft nochmal auf den Punkt bringen:

„Großzügigkeit ist zugleich ein moralischer und ein materieller Imperativ besonders für Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, die ihr Auf und Ab von Fülle und Mangel kennen. Die wissen, daß das Wohlbefinden des EInzelnen verbunden ist mit dem Wohlbefinden aller. Reichtum bedeutet bei den traditionellen Völkern, genug zu haben, um es verschenken zu können. …….. In einer Dankbarkeitskultur weiß jeder, daß Geschenke dem Kreislauf von Geben und Nehmen folgen und wieder zu einem zurückkehren. Das eine Mal gibt man, das andere Mal empfängt man. Beides, die Ehre des Gebens und die Demut des Empfangens sind notwendige Hälften der Gleichung. ….. Jetzt sind wir dran – feiern wir eine Giveaway-Feier für Mutter Erde…. egal, worin unsere Gabe besteht, wir sind aufgerufen, sie zu verschenken und zu tanzen für die Erneuerung der Welt.“

Soviele Geschenke!

Fallen und Wiederauf(er)stehen!

Das mußte/durfte ich am eigenen Leib erfahren. In den vergangenen zwei Jahren bin ich erstaunlich gut mit der so seltsamen und verwirrenden Situation, in der wir uns befinden, zurechtgekommen; mir war klar: laß dich nicht ins Bockhorn jagen, es ist ganz wichtig, die Energie hochzuhalten und so auch die Lebensfreude! Aber heuer, so ab Mitte Jänner – da ist es richtig anstrengend geworden auch für mich, die ganze Situation rund im Covid und die kollektive Stimmung ziemlich bedrückend… und dann erst der Ausbruch des Krieges! Vermehrt negative Gedanken, trennende Gedanken – so als wäre meine Widerstandskraft gegen die spalterischen Energien im Feld gesunken. Alles so versteift – selbst im Körper hab ich das gespürt! Und dann – eines Tages – vor knapp vier Wochen – hatte ich auf einmal richtig Stress und Sorge, daß bald alles noch chaotischer wird, daß das Finanzsystem bald mal zusammenkracht und was dann…? Es war wie ein Überfall! Und am nächsten Tag war ich krank – das Covidl hatte mich (wie so viele andere Menschen) auch erwischt! Diese Erkrankung war vom Körperlichen her nicht dramatisch, eher auf der emotionalen und spirituellen Ebene! Wie ein Nadelöhr, wie eine finstere Grube, in die ich gefallen bin… als wäre das Lebenslicht ganz runtergedimmt worden, mit sehr schmerzlichen Empfindungen von Getrenntsein, von Unvermögen und großer Schwäche…

Und dann die schrittweise Erholung, jeden Tag ein bisschen mehr Energie, das Wiederauferstehen der Lebenskräfte, das Wieder-in -Flußkommen der Lebenssäfte, das Wiederaufleuchten der Lebensfreude – synchron mit dem Sprießen der Blätter und Knospen, mit dem wundervollen Aufblühen des Frühlingsblumen…

„You can cut all the flowers,but you cannot keep spring from coming.“ Pablo Neruda

Zwei Wochen war ich fast nur zu Hause, ohne direkte Begegnungen – ich hätte gar nicht rausgehen wollen (auch als ich körperlich schon wieder ganz gut beisammen war), war froh, nirgendwo hin zu müssen – und das bei strahlend schönem Frühlingswetter! Normalerweise unvorstellbar! Nichts tun zu müssen – soviel Zeit zu haben! Wie unglaublich langsam die Zeit vergangen ist – wie im Schneckentempo – das war sensationell! Wie relativ die Zeit doch ist! Das Positive an der Quarantäne-Zeit war, daß ich jeden Tag kreativ gewerkt habe und das war sehr schön! Wieder zu erfahren, wie erfüllend es ist, dranzubleiben (auch wenn ich anfangs gar nicht wußte, was ich überhaupt ausdrücken will und wie…), dem Wunsch nach schöpferischen Tun nachzugehen und dann zu erleben, wie etwas ins Fließen kommt, eins das andere ergibt ohne groß nachzudenken – ich finde das sehr schön! Wie im Kleinen so im Großen – im großen kreativen Prozess, genannt Leben!

„Es werde Licht“
Einladung zum Tanz

Und so bin ich gestärkt aus der Erkrankung hervorgegangen – bin jetzt wieder viel entspannter in Bezug auf die ver-rückte, globale Situation und fühl mich viel klarer: das Wichtigste ist, im Vertrauen zu bleiben! Das läßt sich nicht direkt machen, aber es hat sich in mir gestärkt. Gott/der Göttin sei Dank!

Gestern hörte ich einen spirituellen Lehrer sagen: „Wir wollen oft wissen: was ist mein Weg, wohin führt er, wie komm ich von A nach B…? Es geht aber anders: wenn sich in dir etwas wandelt, ändert sich bzw. gestaltet sich der Weg unter deinen Füßen neu – in Resonanz zu deinem Inneren!“ Das finde ich sehr schön und so erfahre ich es auch!